The Creative Spotlight: Axel Schmid, Künstler und Musiker, Süddeutschland

Wenn man vor Axel Schmids „Big Points“ steht, kommt man ins Grübeln. Eine Gruppe riesiger, kreisförmiger Ölgemälde in verschiedenen Farben, jedes zwei mal zwei Meter groß, dominieren den Ausstellungsraum auf eindrucksvolle Weise und schaffen ein immersives visuelles Feld.

Wenn man beispielsweise einige Minuten lang auf die Mitte des schwarzen Bildes schaut, fragt man sich: Ist es nur meine Einbildung oder ist die linke Seite etwas flach? Während das Auge beginnt, sich zu bewegen, entdeckt man Nuancen und Texturen. Die Farbtropfen am unteren Rand ziehen den Blick nach unten. Die Kurven am oberen Rand ziehen den Blick nach oben. Was sind das für winzige Fehler am Rand? Ist das eine kleine Delle in der Mitte? Wenn Sie langsam zurücktreten, um die optischen Effekte zu erfassen, sehen Sie plötzlich, dass es gar nicht schwarz ist, sondern preußischblau. Oder doch? Warum kann ich nicht aufhören, es anzuschauen?

Die Kunst beherrschen

Die abstrakte Malerei war seit jeher Schmids favorisierte Ausdrucksform. Das Spiel von Form und Farbe, als reinste Form der Malerei, die sich selbst genügt. Der deutsche Künstler ist nicht der Erste, der sich an Freihandzeichnungen von Kreises versucht und er wird nicht der Letzte sein. Es geht nicht darum technische Perfektion zu erreichen. Das wäre lediglich eine geometrische Übung. Es geht um den persönlichen Ausdruck unter Verwendung der eigenen Handschrift.

„Jeder weiß wie ein perfekter Kreis auszusehen hat. Eine Maschine kann das.,“ sagte Schmid. „Die wahre Schönheit dieser Kunstwerke ensteht durch Unvollkommenheit. Sich vom bekannten Ideal wegzubewegen, setzt beim Betrachter, den eigenen kreativen Denkprozess in Gang.“

Schmid kommt aus dem südlichen Teil Deutschlands,  welcher an Frankreich und die Schweiz grenzt. Eine herausragende Weinregion und ein Freizeitparadies dessen Herz der sagenumwobenen, mystischen Schwarzwald bildet. Schmid studierte freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Max G. Kaminski, welcher ihn zum Teil der expressionistischen Avantgarde machte, einer Bewegung, die im Nachkriegsdeutschland ihren Ursprung fand.

Zu dieser Zeit brachen Künstler wie Hann Trier vom rigiden, ideologisch geprägten Realismus des Nationalsozialismus aus, indem sie mit kräftigen Farben, geometrischen Formen und wirbelnden Mustern experimentierten. Kaminski erweiterte dieses Erbe, indem er stärkere Texturen, expressiven Nachhall und zeitgenössische Gestaltung in die Tradition einbrachte.

Voranschreiten

Axel Schmid beherrscht zweifellos die Kunstform seiner Lehrer und Vorbilder. In den letzten zehn Jahren hat er Struktur, Form und Farbe genutzt, um seiner ganz persönlichen Form der visuellen Provokation nachzugehen.

Auf einer Collage aus Supermarkt-Werbeprospekten für Fleisch-Sonderangebote schreibt er mit Kreide auf eine Fläche aus getrocknetem Schweineblut: “Die Fleischtöpfe sind leer.”

Hierbei steht die bildnerische Aussage im Gegensatz zu Aussage der Worte in Kreideschrift, und öffnet im Raum dazwischen, die ganze Problematik der Massentierhaltung und des zügellosen Konsums.

In einem anderem creme- und vanillefarbenen Gemälde mit dem Titel „Genie angew. vom eigenen Ego“  kommen unter anderem Ölfarbe, Champagnerkreide und eine Creme zur Behandlung von Pilzinfektionen zum Einsatz.

Aber der Künstler verharrt nicht in den eigenen abstrakten Traditionen, sondern schreitet enthusiastisch voran: Ein riesiger schwarzer Leguan auf einer dreiteilige, 210 x 70 cm große Leinwand gemalt, platziert auf einem roten Teppich vor dem Hintergrund aus blassen, zarten Farben, stellt die Hinwendung zur gegenständlichen Kunst, oder Gegenständlichkeit dar, somit positioniert sich Schmid im zeitgenössischen Raum und öffnet sich  damit einer ganz neuen Welt.

Mensch oder Maschine?

Sein aktuelles Projekt schlägt voll in die Kerbe rund um künstliche Intelligenz in der Kunst. Es umfasst das Zeichnen von sage und schreibe zehntausend Zeichnungen, jede für sich stehend, und dennoch wieder erkennbarer Anordnung von dreidimensionaler, quaderförmiger Objekte.

Schmid könnte sicherlich einen KI-Agenten trainieren, um die vielen repetitiven, manuellen Schritte zu ersetzen, die für jede Zeichnung erforderlich sind. Doch das wäre lediglich eine weitere Übung in Geometrie – oder besser gesagt, im Prompting.

«Indem in diesem speziellen Projekt zehntausendmal eine ausgewogene Komposition geschaffen wird, ohne auch nur ein einziges Element zu wiederholen, zeigt sich letztlich, dass KI dem Menschen in Originalität und Charakter nach wie vor grundsätzlich unterlegen ist, “  sagte Schmid. Bei diesem besonderen Projekt geht es darum, stets aufs neue eine ausgewogene Komposition zu schaffen, ohne diese dabei zu kopieren.

„Es geht auch hierbei um das Spiel mit Form und ‚Farbe‘, bei dem eben nur Grautöne und Strukturen zum Einsatz kommen. Das Zeichnen, welchem ich jeden Morgen eine gewisse Zeit widme, inspiriert auch meine Arbeit, was das managen meiner musikalischen Projekte angeht,“ denn Schmid verdient seinen Lebensunterhalt neben der Malerei auch als Musiker.

Als Singer-Songwriter, Gitarrist, Komponist und Produzent tritt Schmid mit verschiedenen Gruppen auf, darunter seine Band The Funky Valentines. Seine unter dem Namen MAEANDER veröffentlichte Musik verbindet Rock, Pop und Blues und ist auf allen großen Plattformen erhältlich. Außerdem betreibt er ein kleines aber feines Tonstudio im Karlsruher Westen.

Den Takt vorgeben

In Kunst und Musik hat man entweder das gewisse Etwas oder man hat es nicht, und Axel Schmid hat es zweifellos. Was Menschen wie ihn von der Masse abhebt, ist eine Kombination aus Talent, Präsenz und Charisma. Am Anfang steht außergewöhnliches Können, wobei der Musiker oder Künstler sein Medium, sei es die Stimme, ein Instrument oder der Pinsel, voll und ganz beherrscht. Diese Meisterschaft ermöglicht es ihm, Ideen, Emotionen und Konzepte auf eine Weise zu vermitteln, die bei anderen etwas im tiefsten Inneren bewegt.

Ihre gesteigerte Empathie beispielsweise verleiht Musikern die Fähigkeit, ihr Publikum zu lesen und darauf zu reagieren, wodurch eine ganz eigene Energie zwischen den Künstlern und dem Publikum entsteht. Künstler, die diese Fähigkeit besitzen, treten nicht nur auf oder schaffen Kunstwerke. Sie interpretieren die Welt auf eine Weise, wie es sonst niemand tut. Originalität bedeutet, dass ihre Werke für sich selbst stehend existieren können.

Da Schmid selbst über dieses gewisse Etwas verfügt, erkennt er es auch bei anderen. Er hat ein besonderes Gespür für die Schlagzeuger in seinem Umfeld, da sie den Herzschlag erzeugen, auf dem andere Musiker aufbauen. Er glaubt, dass Zeichnungen und Gemälde einen ähnlichen, subtilen Puls besitzen, der nicht vorgetäuscht werden kann. Wenn er vorhanden ist, spürt der Betrachter ihn sofort. 

Axel Schmid ist schon immer seinen eigenen Weg gegangen. Das ist sicherlich manchmal ein einsamer Weg und es ist schwierig, die beiden Anforderungen von Kunst und Musik unter einen Hut zu bringen. Auch in einer Kunstlandschaft, die Kunstschaffende gerne in Schubladen steckt. Maler oder Musiker? Aber gleichzeitig ist es sicherlich dieser wechselseitige Kreislauf der Energie, der es Künstlern wie ihm ermöglicht, das komplexe Spiel des Gebens und Nehmens mit ihrem Publikum zu spielen und so die verdiente Belohnung einzufahren.

Check out Axel Schmid and The Funky Valentines     

Translation: Anna Marie Häfele

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